Dauerausstellung
Die neue Dauerausstellung, auf rund 600 Quadratmetern präsentiert, kann als das Herzstück des Museums bezeichnet werden. Sie bietet einen umfassenden und dennoch kurzweiligen Überblick zu 200 Jahren Harmonikageschichte – natürlich unter Thematisierung der Vorläufer-Instrumente.
Die Gliederung der großzügig und professionell gestalteten Ausstellung verweist auf die Themenschwerpunkte sowie auf den multimedialen Ansatz. Besucherinnen und Besucher werden zum Ausprobieren motiviert.
Ausziehbare Schubladen und Blätterbücher bieten weitere Exponate und tiefer gehende Informationen.
Die Dauerausstellung gliedert sich in folgende Abschnitte
Musikstile der Welt
Dieser Sonderbereich beginnt und beendet die Präsentation. Anhand ausgewählter Musiktitel lässt sich hören, wie überraschend viele Musikstile weltweit durch Harmonika-Instrumente geprägt wurden.
Fünf Sitzplätze mit Kopfhörern laden zum Hörerlebnis ein. Bei Gruppenführungen können die Musikbeispiele über die Medienstationen gemeinsam gehört werden.
Frühgeschichte der Harmonika-Instrumente vor 1850
Wenige, aber herausragende Schaustücke – darunter eine der ältesten Handharmonikas aus Wiener Produktion – dokumentieren die Entwicklung der frühesten Musikinstrumente mit sogenannter durchschlagender Zunge.
Die Geschichte der Harmonikabranche von 1850 bis heute
Dieser Hauptteil bildet – in fünf Zeitabschnitte gegliedert – den roten Faden zur gesamten Ausstellung. Im Mittelpunkt steht hierbei die „Hohner-Story“, jedoch immer in Bezug zur weltweiten Konkurrenz. Wichtige Exkurse und Sonderbereiche (siehe Punkte 4. bis 7.) ergänzen den Erzählstrang.
Hier wird auf alle möglichen Aspekte der Sozial-, Wirtschafts- und Produktgeschichte eingegangen. Diese werden durch viele hunderte interessanter Exponate, mitunter kostbare Unikate, dokumentiert. Dabei sind die originellsten Geschichten / Exponate durch rote Bauelemente, „Anekdotenboxen“, gekennzeichnet.
Die Industrialisierung der Branche (1850 – 1900) symbolisiert das Plakatmotiv „Erika“, das den Firmengründer Matthias Hohner beim Verkauf an alle Welt zeigt. Besonders kostbar sind die in Wien gefertigten Elfenbein-Mundharmonikas von Wilhelm Thie. Den Qualitätsprodukten dieser Firma eiferte Hohner nach.
Die Blütezeit der Harmonikas made in Germany (1900 – 1930) bildet den größten Teilbereich. Dieser widmet sich nicht nur dem weiteren Aufstieg der Matth. Hohner AG zum dominanten Hersteller, sondern auch ausführlich der einst bedeutenden Harmonikaindustrie in Sachsen und Thüringen. Ein weiterer Exkurs behandelt die Baugeschichte sowie die Ausdehnung der Trossinger Harmonikaindustrie in die Region, als um 1900/1910 Dutzende von Zweigfabriken gegründet wurden. Doppelter Blickfang sind hier das Originalplakat mit einer Firmenansicht von 1925/26 sowie ein koloriertes Holzmodell des Werks I der Hohner AG.
Stellvertretend für die größte Blütezeit der Mundharmonika steht der größte Star des 20. Jahrhunderts. Larry Adler, der mit seiner Hohner-Chromonica die Bühne eroberte und die „Mundharfe“ salonfähig machte. Adler, der „Paganini der Mundharmonika“ wird mit einer Hörstation gewürdigt.
Als spektakuläres Exponat wird die zerschossene Mundharmonika „Schwabentreue“ herausgehoben präsentiert. Dieses Hohner-Modell rettete einem schwäbischen (!) Weltkriegssoldaten das Leben.
Krisenzeiten und Wiederaufstiege (1930 – 1960) haben ein Wandfoto des legendären Gründerenkels Ernst Hohner als so genanntes Leit-Exponat. Über Jahrzehnte hinweg steuerte er als Firmenchef das Unternehmen durch die Zeitläufte. Ernst Hohner war der große Förderer des Akkordeons und holte 1928 den berühmten Konstrukteur Venanzio Morino nach Trossingen.
Einen Höhepunkt innerhalb der Akkordeonszene manifestierte sich im Orchester des Hauses Hohner (1947 – 1963), das als „Accordion Symphony Orchestra“ weltweit unterwegs war.
Selbstverständlich werden auch die Biografien anderer Größen der Akkordeon- und der Mundharmonikaszene in Zusammenhang mit beispielhaften Schaustücken geschildert. Und selbstverständlich wird die Vita des Gründerenkels Ernst Hohner nicht unkritisch geschildert.
Einschlägige Exponate dokumentieren die Harmonikaindustrie in den bewegten 1930er und 1940er Jahren sowie im letzten Jahrzehnt der großen Blüte. Höhepunkt und Wendemarke bildete die Hohner-Hundertjahrfeier 1957.
Superlative und Existenzkrise (1960 – 1990) und Globalisierung und rascher Wandel des Marktes (1990 – 2015) heißen die letzten beiden Teilbereiche, in denen das Ende des Harmonikabooms und das „Beinahe-Ende“ des Hohner-Imperiums dokumentiert werden. Besondere Exponate zu den Themen Melodica und Musikelektronik sowie eine reizvolle Hörstation mit dem Originalton des ersten im Weltall gespielten Musikinstruments (eine Miniatur-Mundharmonika!) gehören ebenso dazu wie eine – bewusst an das Ende gesetzte – Auswahl von Klassikern und Weiterentwicklungen der „Marine Band“, des populärsten Mundharmonika-Modells aller Zeiten.
Aktuelle Websites und digitale Bilderrahmen zur Musikszene des 21. Jahrhunderts runden das Angebot ab.
Die Herstellung der Harmonika-Instrumente
Maschinen und Werkzeuge zeigen die Mundharmonikafertigung. Bei Führungen und Vorführungen werden Zusammenbau und Stimmen der Instrumente erläutert.
Ein interaktiver Stammbaum vermittelt Instrumententypen, Fakten und Hörbeispiele zur klanglichen Vielfalt der Harmonika-Instrumente.
Das Marketing, ein Spiegel des Zeitgeistes
Design und Verpackung der Mundharmonikas spiegeln den Zeitgeist. Zwölf große Drehvitrinen zeigen die außerordentliche Vielfalt der Vermarktung – von Technik und Sport bis zu regionalen und politischen Motiven.
Sonderbereich Handzuginstrumente des 20. Jahrhunderts
In der großen Vitrine sind nahezu 100 der schönsten und wichtigsten Akkordeons und Handharmonikas der Sammlung zu sehen – darunter das größte Knopfgriffakkordeon der Welt aus dem Jahr 1953.
Multifunktionaler Filmraum
Der Filmraum ist Sonderbereich und Ruhepunkt zugleich. Zehn abrufbare Filmprogramme zeigen historische Aufnahmen aus dem Museumsfundus – von den 1930er- bis in die 1960er-Jahre und von Hohners 150-Jahr-Feier 2007.