Sonderausstellung
Trossingen und Klingenthal - die Weltzentren der Harmonika
15.09.2019 – 17.11.2019

Plakat des großen Klingenthaler Herstellers und Versandhauses Meinel & Herold, um 1925.
Gespeist aus dem reichen Fundus der landeseigenen Sammlung Hohner (allein die Konkurrenzmustersammlung umfasst rund 5000 Instrumente!) und ergänzt durch einige Leihgaben wird die fast zweihundertjährige Harmonikageschichte dargestellt, insbesondere diejenige der vielen Hersteller der Region Klingenthal im sogenannten Musikwinkel.
Konkurrenz und Verflechtung
Mit nicht immer feinen Methoden versuchte der Marktführer Matth. Hohner AG die sächsische Konkurrenz zu kontrollieren. Der Versuch, ab 1929 mit der Rauner-Seydel-Böhm AG ein Gegengewicht zu bilden, schlug nach wenigen Jahren fehl.
In den 1920er Jahren waren jeweils über 5 000 Menschen in den beiden Industriezentren beschäftigt und stellten jährlich über 50 Millionen Mundharmonikas her, die in alle Welt exportiert wurden. In Klingenthal gab es damals über 200 Betriebe, in Trossingen nur den Weltmarktführer Matth. Hohner AG, der alle anderen Hersteller im Lande „geschluckt“ hatte.
Spannende Geschichte und Geschichten
Die neue Sonderausstellung des Deutschen Harmonikamuseums ist ausgesprochen vielfältig. Spannende Geschichte und Geschichten werden erzählt und in Szene gesetzt. Liebesgeschichten gehören dazu. Die Kontakte zwischen den beiden Harmonikastädten beschränkten sich nicht immer nur auf das Geschäftliche…
Auch die jüngere Vergangenheit wird beleuchtet. Nach 1945 trennte der Eiserne Vorhang die Welt, was enorme Auswirkungen gerade für die in der sowjetischen Besatzungszone und dann in der DDR gelegene vogtländische Harmonikaindustrie hatte.
Der damalige Ministerpräsident Lothar Späth mit der einmilliardsten Hohner-Mundharmonika, 1987.
Im Unglück des rapiden Niedergangs der Branche um 1990 waren die beiden Harmonikazentren dann wieder vereint. Jedes hatte auf seine Weise um das Überleben zu kämpfen. Hierzu bieten Dokumente und Zeitzeugenaussagen ein bewegendes Bild. Als größtes Exponat wird ein Riesenfoto des früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth mit der einmilliardsten Hohner-Mundharmonika zu sehen sein. Es prangte Ende der 1980er Jahre in der Direktionsetage der Hohner AG – aus Dankbarkeit für die erfolgreiche Unterstützung des Landes in der Existenzkrise der Firma.
Besondere Instrumente aus dem Vogtland
Nicht zuletzt zeigt die neue Sonderausstellung – neben den ohnehin in Dauerausstellung und Schaudepot präsentierten Stücken – 30 weitere besondere Handzuginstrumente Klingenthaler Hersteller sowie rund 300 ausgewählte Mundharmonikas aus dem Vogtland.