Handzuginstrumente

Bandoneon

Kategorisierung der Handzuginstrumente nach Bauform, Tastatur und Tonanordnung.

Das Bandoneon ist nach Heinrich Band benannt, einem Krefelder, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Instrumentenhandlung betrieb. Auf seine Entwürfe hin wurden die bis dato verbreiteten Konzertinas um weitere Tasten und Töne ergänzt. Erst später wurden diese Instrumente Bandonion genannt.

Im Laufe der Zeit wurden die Tastaturlayouts immer wieder um weitere Tasten ergänzt, um eine größere Vielfalt an Musikstücken spielen zu können. Dabei gab es unterschiedliche Vorgehensweisen und somit auch unterschiedliche Tastaturlayouts.

Interessant sind heute hauptsächlich Instrumente mit einem möglichst großen Tonumfang. Dies erlaubt das Spielen vielfältiger Musikliteratur. Bei Instrumenten mit eingeschränktem Tonumfang wird man früher oder später an deren Grenzen gelangen.

Zu den bevorzugten Instrumenten gehört das 142-tönige Tangobandoneon und das 144-tönige Einheitsbandoneon sowie Instrumente, die von beiden Layouts ausgehend weitere Tasten besitzen.

Die Wechseltönigkeit der Bandoneons erhöht die Schwierigkeit, das Instrument zu erlernen. Daher gab es immer wieder Ansätze, Bandoneons zu bauen, die gleichtönig sind, also bei Zug und Druck jeweils den gleichen Ton auf einer Taste zu erzeugen. Am bekanntesten sind hiervon das Kusserow-Bandoneon und die Bandoneons nach Manoury- und Peguri-System.

Tangobandoneon mit 142 Tönen

Bass-Seite (links): 33 Tasten

Bass-Seite (links): 33 Tasten

Diskant-Seite: 38 Tasten

Diskant-Seite: 38 Tasten

Die nach Südamerika, insbesondere nach Argentinien und Uruguay exportierten Bandoneons hatten fast ausschließlich Tastenlayouts nach der sogenannten "Rheinischen Lage". Typisch für diese Bandoneons ist auch der Klang, der durch die Zweichörigkeit in Oktavstimmung entsteht.

Insgesamt sind bis 1945 wohl ca. 30.000-60.000 Bandoneons nach Südamerika exportiert worden. Viele dieser Instrumente sind heute nicht mehr spielbar. Sammler aus aller Welt haben den Bestand in Argentinien weiter dezimiert, so dass seit einigen Jahren  in Argentinien ein Ausfuhrverbot für Bandoneons, die älter als 40 Jahre sind, gilt.

In Deutschland selbst war der scharfe Klang der Oktavstimmung nicht so begehrt, so dass hier nur wenige dieser Instrumente verkauft wurden.

Dies alles macht die Tangobandoneons heute sehr begehrt und treibt die Preise hoch. 

Die bekannteste Marke ist AA, was für Alfred Arnold aus Carlsfeld im Erzgebirge steht. "Doble A" steht in Argentinien zum Teil für das Tangobandoneon schlechthin. 

Zu erkennen sind 142-tönige Tangobandoneons am einfachsten durch die Anordnung der Tasten in sechs Reihen auf der Diskant-Seite.

B142_bass_d
B142_diskant_d

Einheitsbandonion mit 144 Tönen

Bass-Seite (links): 35 Tasten

Bass-Seite (links): 35 Tasten

Diskant-Seite: 37 Tasten

Diskant-Seite: 37 Tasten

Bei den Bandoneons gab es unterschiedliche Griffsysteme. Um hier eine Vereinheitlichung zu erreichen legte der „Deutsche Konzertina- und Bandonionbund e.V.“ im Jahr 1926 einen Standard für das Bandoneon fest: Das Einheitsbandonion hat 72 Tasten und 144 Töne.

Das Einheitsbandonion wurde meist für Volksmusik genutzt und weniger für den (argentinischen) Tango. Deshalb wurde ein Klang mit Tremolo-Effekt bevorzugt. Um diesen Effekt zu erreichen haben die Bandonions meist 3 Chöre auf der Diskant-Seite, manchmal auch 4. Das bedeutet, dass beim Drücken einer Taste gleichzeitig drei Stimmzungen angesprochen werden. Während bei einem Bandoneon in Oktavstimmung zwei Stimmzungen angesprochen werden, eine, die den Grundton wiedergibt und eine, die diesen Ton eine Oktave höher spielt, kommt bei einem dreichörigen Instrument noch ein leicht verstimmter Ton hinzu. Das führt zu einer Schwebung im Klang, was meist als Tremolo-Klang bezeichnet wird. Heute verbindet man diesen Klang typischerweise mit dem Akkordeon.

Beim Entwurf des Einheitsbandonions erfolgte u.a. eine Optimierung der Tasten hin zu einer besseren Spielbarkeit von Akkorden auf der Bass-Seite. Dies war für die Musik, die mit dem Bandonion in Deutschland gemacht wurde sinnvoll. Die Diskant-Seite unterscheidet sich nicht ganz so wesentlich zwischen Einheits- und Tangobandonion.

Es gibt auch Einheitsbandonions in Oktavstimmung, diese stehen den Tangobandoneons vom Klang her nicht nach. Oft wird auch der Chor, der den verstimmten Grundton enthält, einfach stillgelegt.

B144_bass_d
B144_diskant_d

Weitere Bandoneons

Es gibt eine Vielzahl von weiteren Tastenlayouts, die meisten verfügen über weniger Tasten als die oben beschriebenen Layouts.

Weit verbreitet waren z.B. auch Schülerinstrumente, z.B. mit 110 Tönen und meist nur eine Stimmzunge pro Ton (einchörig). Diese waren billiger in der Produktion und konnten etwas kleiner gebaut werden. Somit waren sie für Kinder geeigneter als die großen Instrumente.

Es wurden aber auch Instrumente gebaut, die einige Tasten mehr hatten als die 142er oder 144er Standardlayouts.

Um herauszufinden, um was für ein Instrument es sich handelt, müssen Sie die Tasten auf beiden Seiten zählen. So entsprechen 55 Tasten einem Instrument mit 110 Tönen (auch wenn das nicht ganz stimmt, da einige Töne mehrfach vorkommen). Mit einem Stimmgerät (z.B. auch einer Smartphone-App), lassen sich dann die Töne zu mindest stichprobenartig überprüfen.

Im folgenden einige Layouts für kleinere Instrumente. Eine umfangreichere Übersicht finden sie auf der Seite www.bandochords.de.