Sonny Terry (1911 – 1986) – Ikone der Blues-Musik

27. Oktober 2018 - 10. Januar 2019

Sonny Terry ist eine Blues Harper-Legende

Cover (Ausschnitt) der LP „On the Road“, 1959, Foto: David Gahr

1911 in North-Carolina geboren wuchs er in die Blütezeit des Folk-Blues hinein (siehe Ausschnitt der Bluesgeschichte unten). Solo, aber vor allem zusammen mit seinem kongenialen Duo-Partner Brownie McGhee an der Gitarre, war Terry über Jahrzehnte hinweg bis an sein Lebensende 1986 erfolgreich.

Zu seinen Markenzeichen gehörte die Anreicherung des virtuosen Mundharmonikaspiels durch sein „whoopin‘“, also nicht nur durch Gesang, sondern durch geschickt eingestreutes Aufheulen oder Jauchzen und ebenso durch die „talking harmonica“, also das Imitieren der menschlichen Stimme mit der Harp.

Bemerkenswerter Weise war Sonny Terry mit seinem traditionellen Folk Blues auch in seinen letzten Jahrzehnten musikalisch gefragt, obwohl die nachfolgenden Blues Harper längst neue Wege beschritten hatten und etwa in größeren Rock-Band-Formationen spielten.

Zur Frühgeschichte der Mundharmonika im Blues

In der Frühzeit (bis etwa 1930) gab es noch keine ausgeprägten Blues-Bands oder Duos, aber Künstler, die ihre Mundharmonika als Melodie- oder Begleitinstrument virtuos handhabten. Am beliebtesten waren damals Imitationen auf der Blues-Harp: Fuchsjagden, Eisenbahngeräusche, weinende Kinder, Tiere; selbst Gefängnisausbrüche wurden auf der Harp imitiert. Die erste Blues-Schallplattenaufnahme mit Mundharmonika entstand erst Anfang 1924.

Die Blütezeit des ländlichen Blues-Harp-Spiels (1930er Jahre) ist geprägt von den Jug Bands und den aus Gitarre und Mundharmonika gebildeten Duos. Blues-Harper wie Sonny Terry begannen damals ihre Karriere. Musikalisches Zentrum der Südstaaten war eindeutig Memphis/Tennessee. Noch hatte der Blues den Norden nicht ergriffen.

Ein Newcomer der damaligen Szene, der 1914 geborene Sonny Boy Williamson sollte das Blues Harp-Spiel revolutionieren und steht für den Übergang zum städtischen Blues (seit den frühen 1940er Jahren). Der Rhythmus der Blues-Musik wurde im Vergleich zum Country-Blues härter, Schlagzeug und Kontrabass traten hinzu.

Dank / Hinweis

Die Sonderausstellung zum Harmonica Masters Workshops 2018 wurde entscheidend gefördert durch eine umfangreiche Schenkung aus dem Nachlass des Künstlers („Sonny Terry Estate“). Der Nachlassverwalterin und Nichte Sonnys, Delores R. Boyd, USA, sei hiermit herzlich gedankt.

Sonderausstellung: „Wer musiziert hat mehr vom Leben“ – Die Akkordeon-Orchesterbewegung

Eine Sonderausstellung aus Anlass des 125. Geburtstages von Hermann Schittenhelm

18. Mai - 7. Oktober 2018

„Wer musiziert hat mehr vom Leben“ – Diesen Slogan nutzte die Matth. Hohner AG in den Jahren um 1930. „…wer Hohner spielt greift nie daneben“ wurde in Spielerkreisen spöttisch ergänzt.

Tatsächlich entwickelte sich gegen Ende der 1920er Jahre die bereits vorhandene Beliebtheit des Handharmonikaspiels in der Gruppe zu einem Massenphänomen, zunächst in der Schweiz und im Südwesten Deutschlands, dann aber – von der Hohner-Propaganda mächtig befeuert – auch weit darüber hinaus.

Die Euphorie hielt Jahrzehnte lang an und hatte einen Namen:

Hermann Schittenhelm (1893 – 1979)

Am 10. September 2018 wäre der in Boll bei Oberndorf aufgewachsene Vollblutmusiker 125 Jahre alt geworden. Dieses Jubiläum bietet den Anlass, die rund hundertjährige Orchesterbewegung näher zu beleuchten.

Bisher ungehobene Schätze – aus dem Nachlass Schittenhelms und aus dem Fotoarchiv des Museums – werden erstmals präsentiert. Sie untermauern die Rolle des höchst populären Meisterspielers Schittenhelm als Galionsfigur einer Massenbewegung mit tausenden von Orchestern. Als Virtuose, Gründer und Dirigent des Hohner Orchesters 1927 überstrahlte der volkstümliche Schwarzwälder die besten Jahrzehnte der Orchesterbewegung. Er und sein „Schittenhelm-Orchester“ waren „Werbelokomotive“ und Vorbild für viele.

Die Ausstellung behandelt jedoch nicht nur die langen Blütezeiten, sondern auch den Wandel der Szene seit dem Ende des Massenphänomens Akkordeon-Orchester.

Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten, speziell seit der Jahrtausendwende, geändert. Die Orchesterszene lebt, ist aber nach und nach kleiner geworden. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde sie von der Trossinger Firma Hohner stark dominiert.

Unabhängig geworden, behauptet sich der DHV (Deutscher Harmonika-Verband) als zweitgrößter Laienmusikverband in Deutschland bestens und entfaltet im 21. Jahrhundert neue Initiativen.

Anklicken, um den aktuellen Flyer der Sonderausstellung herunterzuladen

Sonderausstellung: Lieber Tango!

Konzertina, Bandoneon und die Folgen - eine Sonderausstellung des Deutschen Harmonikamuseums zu Anlass des 25. Todestages von Astor Piazolla

24. September - 22. Oktober 2017

Vor 25 Jahren starb der legendäre argentinische Bandoneonvirtuose und Komponist Astor Piazzolla (1903 – 1992). Sein Ruf als Erneuerer des Tango gehört fast zur Allgemeinbildung – auch in Deutschland.

Den bereits im frühen 20. Jahrhundert in Amerika und Europa populären Tango hat er auf ein neues künstlerisches Niveau gebracht und gleichzeitig das Bandoneon als prägendes Instrument dieser Musikrichtung ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

Was aber fast nur der Musik- speziell der Tangoliebhaber in Argentinien weiß: Das Bandoneon ist ein typisch deutsches Produkt, das von dem Krefelder Musikinstrumentenhändler Heinrich Band entwickelt wurde und nach ihm benannt ist. Es wurde als „Bandonion“ von zahlreichen, zumeist sächsischen Fabriken, hunderttausendfach hergestellt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte der Export nach Südamerika ein. In Argentinien entwickelte sich das „Bandoneòn“ zu einer Art Nationalinstrument.

Das Deutsche Harmonikamuseum nimmt den 25. Todestag Astor Piazzollas zum Anlass, das Phänomen Tango näher zu beleuchten und dabei das Bandoneon sowie seinen Verwandten, die „Deutsche Konzertina“, besonders zu berücksichtigen.

Ausgehend von den auf 1834 datierbaren Anfängen in Chemnitz über das Mekka des Bandoneonbaus Carlsfeld im Erzgebirge (dort entstanden die berühmten Arnold-Bandoneons) über die Krisenjahrzehnte nach 1945 bis zum Wiederau eben der Bandoneonherstellung seit den 1990er Jahren wird ein informativer und attraktiver Überblick gegeben. Eine besondere Geschichte mit besonderen Geschichten: zum Beispiel die von Walter Pörschmann (1903 – 1959), In Deutschland einst der absolute Star des Bandoneons; oder die von Carlos Gardel: Der Argentinier war der unbestrittene König des Tango-Liedes.

Konzertina und Bandoneon erlebten, unabhängig von der damals einsetzenden „Tangowelle“, im frühen 20. Jahrhundert in Deutschland eine enorme Blütezeit. In den Industriezentren Sachsens und des Rheinlands bestanden viele hunderte Konzertina- und „Bandonion“-Orchester.

Warum diese Blütezeit in den 1930ern endete und das Vereinsleben nach 1960 fast ganz erlosch, warum hingegen das Bandoneon zusammen mit dem Tango eine nachhaltige Renaissance feiert, das alles und noch viel mehr erfuhren Besucherinnen und Besucher der Sonderausstellung „Lieber Tango!“ 

Nicht zuletzt präsentierte die Sonderschau im neuen Deutschen Harmonikamuseum im schwäbischen Trossingen herrliche Bandoneons und Konzertinas; ein Großteil davon sind Leihgaben aus der Sammlung Steinhart (Tango und Bandoneonmuseum Staufen im Breisgau) und Schenkungen der Sammlung René Wehrle sowie ein reichhaltiges Rahmenprogramm.

100 Jahre Hohner Chromonica

Ein Instrument verändert die Harmonikawelt

9. September - 4. November 2012

Dieses mit einem Schieber-Mechanismus versehene Instrument hat gegenüber herkömmlichen Mundharmonikas
einen wesentlich erweiterten Tonumfang. Bei Betätigung des „Schiebers“ werden die Halbtöne freigegeben (also etwa cis statt c). 

Mit chromatischen Harmonikas dieser Art wurde schon vor 1900 experimentiert. Dauerhaften Erfolg erzielte jedoch erst die legendäre Chromonica von Hohner.

Um 1910 entwickelt, taucht sie in den Export-Katalogen als „Chromatic Harmonica“ 1912 erstmals auf.

Verschiedene Aspekte der hundertjährigen Erfolgsgeschichte werden beleuchtet:

  • Wie die Chromonica den Harmonikaboom der 1920er/1930er befeuerte und dabei Film und Bühne eroberte.
  • Wie gehobenes Mundharmonikaspiel auf der Chromonica den Jazz oder auch die Soul- und Pop-Musik beeinflusste.
  • Das Mundharmonika-„Ensemblefieber“ rund um die 1950er, als weltweit viele hunderte von Trios / Quartette bestanden.
  • Klassik und E-Musik mit den Stars der Szene wie einst Tommy Reilly oder heute Yasuo Watani.
  • Die Instrumentenvielfalt:
    Zu den Exponatengehören zum Teil kuriose Prototypen der frühen Jahre ebenso wie eindrucksvolle neuere und neuste Chromonica- Entwicklungen, dazu „Schieber-Mundharmonikas“ anderer Hersteller aus der Konkurrenzmuster-Sammlung des Museums.
  • Patentschriften und vielfältige Werbedokumente
  • Galerie der Meisterspieler einst und jetzt.
    Seit den 1950er Jahren werden bei Weltfestivals die Besten der Besten ermittelt. Im Herbst 2013 gibt’s erneut das World Harmonica Festival. Die Königsdisziplin heißt „Solo Chromatisch“.
  • Film- und Musikbeispiele zur musikalischen Welt der Chromonica